Das diesjährige Sommermodul fand zu Beginn der Ferien statt und beschäftigte sich im Kern mit dem Thema des selbstverantwortlichen Lernens, in Verbindung mit der Praxisforschung.

Am Freitag dem 24.07. fanden sich alle Teilnehmer nicht wie gewohnt in der Ilse-Eickhof-Akademie in Bremen ein, sondern in der ländlichen Heimvolkshochschule Mariaspring, in Göttingen.

Dieses Jahr führten wir zwei sozial künstlerische Übungen durch. Die Hauptübung orientierte sich an einem Spruch:

Denke erst und handle dann und handelnd denk` daran.

Zu diesen Worten reichten wir eine Holzkugel an unseren Nachbarn weiter und erweiterten diese Übung mit Bewegungen.

 

Der Spruch wurde in drei Teile gefasst. Denke erst – und handle dann – und handelnd denk` daran.

Wir bildeten einen Kreis. Im ersten Teil reichten wir die Holzkugel über den Kopf, von der linken Hand in die rechte Hand, anschließend in die linke Hand der nächste Person weiter. Als nächstes gingen wir im handelnden Teil leicht in die Knie und die Kugel wurde wieder von links nach rechts weitergegeben, allerdings dieses Mal unterhalb. Beim letzten Teil, der Handeln und Denken vereint, führten wir die Kugel wieder von links nach rechts unten entlang, dann aber ohne Weitergabe von rechts nach links über den Kopf zum Kreisnachbarn.

Diese Übung erweiterte sich, indem sie irgendwann stumm ausgeführt wurde, Bögen außen und innen um die Nachbarn geschlagen und ein Innenkreis gebildet wurde, wo sich die jeweiligen Nachbarn die Kugel über Kreuz gaben. Am Ende übten wir noch eine komplett neue Laufvariante ein, die in dieser Gruppe zum ersten Mal funktionierte.

Für die zweite SKÜ war ein Stillleben aufgebaut. In der Aufgabenstellung hieß es, dass wir innerhalb einer bestimmten Zeit dieses Stillleben mit Wachsmalblöckchen abzeichnen sollten. Nach Ablauf der Zeit, rückten wir drei Plätze weiter und zeichneten an dem Bild eines anderen weiter. Wir rückten drei mal drei Plätze weiter, dadurch ergaben sich drei Gruppen und interessanterweise ähnelten sich die Stile innerhalb einer Gruppe.

Im Gespräch stellten wir fest, dass diese Übung mit der Überschreitung von Grenzen unseres Gegenübers zu tun hat. Die Stile ähnelten sich, da sich die Personen, die an einem fremden Bild weiter zeichneten, auf den Charakter des Bildes einließen und harmonisch ergänzten. Es gab durchaus auch Überlegungen, etwas komplett Entgegengesetztes hinein zu zeichnen, doch wurde dies von den Teilnehmern nicht ausgeführt.

Eine andere Variante dieser Übung ergab sich aus der Aufgabenstellung, das eigene Blatt mitzunehmen. Wir zeichneten wieder in einer bestimmten Zeit ab, doch dann rückten wir mit unserem Blatt drei Plätze weiter. Mit dem kreisförmigen Platzwechsel, um das feststehende Motiv herum, änderte sich auch für jede/n Teilnehmer/in die Perspektive. Im Austausch wurde deutlich, welcher Sinn hinter dieser Übung steht. Es gibt verschiedene Perspektiven, aus denen vieles betrachtet wird, jede/r schaut aus einem anderen Blickwinkel auf die gleichen Dinge und entdeckt dabei etwas anderes. Hier existiert kein Richtig oder Falsch, es ist wichtig, gerade in Bezug auf das Wirken in einer Schule, seine Perspektive zu erweitern und den eigenen Blick auf die Perspektiven der anderen zu sensibilisieren.

Am ersten Abend sahen wir den Film „Alphabet“, von Erwin Wagenhofer.

98% aller Kinder kommen hochbegabt auf die Welt. Nach der Schule sind es nur noch 2%.“

Dies ist eine Aussage, gleich zu Beginn des Films. Das Bildungssystem wird in diesem Film kritisch beleuchtet, er zeigt in erschreckender Form, unter welchem Leistungsdruck z.B. Schüler in China stehen. Aber in dem Film werden auch andere Formen des Lernens aufgezeigt.

In Paris existiert seit 60 Jahren der „Malort“, den der Pädagoge Arno Stern ins Leben rief. An diesem Ort werden Kinder zum freien Spiel eingeladen, nicht zu anerzogener Kunst geführt. Der Sohn von Arno Stern, Andre Stern, besuchte in seinem Leben nie eine Schule und ist als Gitarrenbauer tätig. Menschen nicht zur Bildung zu zwingen, sondern sie einzuladen, rät der Hirnforscher Gerald Hüter. Unser Schulsystem orientiert sich an den Denkmustern der frühen Industrialisierung, nämlich Menschen zu gut funktionierenden Rädchen einer Produktionsgesellschaft heran zu ziehen, in den Schulen wird dadurch Konkurrenzdenken und Leistungsdruck erzeugt. Unser Wissensvorrat wird von dem geprägt, was wir lernen und unser Denken wird von dem wie wir lernen stark beeinflusst.

Dieser Film bot einen guten Einstieg in die Thematik des selbstverantwortlichen Lernens.

Zum Thema „Lernen lernen“, bekamen wir ein Blatt, auf dem wir Arbeitsanweisungen nachlesen konnten, die sich mit dem Lernen eines Gedichtes befassten.

Im ersten Teil A hieß es:

Bitte lernen Sie individuell für sich 20 min soviel von dem Gedicht, wie sie schaffen.

Ziel: individuelle Darstellung in der 4er Gruppe

Der Auftrag im ersten Teil B war:

Auswertung der Einzelarbeit in 4er Gruppen.

  1. das Ergebnis einzeln der Gruppe vortragen, ohne Hilfsmittel und ohne Hilfe von außen,

  2. anschließend jeweils spontan das Ergebnis feststellen: was ist erreicht worden?,

  3. spontane Bewertung des Ergebnisses

a. Durch die drei anderen,

b. Durch die/den Vortragenden selbst

  1. Resultate von 2 +3 auf einem Zettel festhalten.

Als wir im Plenum alle zusammen trafen, wurde uns vor Augen geführt, wie sehr wir in den alten Strukturen unseres gewohnten Schulsystems verhaftet sind. Nirgendwo stand geschrieben, dass wir das Gedicht auswendig lernen sollten. Auch die Kriterien unter denen wir die Beurteilung festlegten, ähnelten sich bei allen. Wir hätten frei an dieses Gedicht heran gehen können, den Raum gehabt uns individuell, unserer Persönlichkeit entsprechend, auf den Text einzulassen. Jede/r lernte das Gedicht auswendig.

Um sich dem selbstverantwortlichen Lernen anzunähern, sammelten wir zunächst Begriffe, die jede/r Teilnehmer/in auf diesem Modul mit dem Lernen in Verbindung brachte. Überwiegend wurde der Begriff des Lernens in positiver Form beschrieben, denn Lernen macht immer Freude. Dass Lernen keinen Spaß macht, ist eine falsche Auffassung. Der Unterschied zwischen Lernen und Dressur ist, dass beim Lernen ein inneres Ergreifen entsteht, während die Dressur durch einen äußeren Einfluss erwirkt wird, der ein inneres Ergreifen nicht zulässt.

Damit ein Kind sein Potential entfalten kann, muss es dort abgeholt werden wo es steht, eingeladen, begeistert und ermutigt werden, an die Sache heranzugehen. Durch die Freiheit des Ausprobierens entsteht Kreativität. In diesem Prozess sollte das Kind begleitet werden und klar sein, dass auch Scheitern durchaus erlaubt ist.

Zum Thema Arbeiten und Lernen unterschieden wir zwischen drei Formen. Das selbsttätige, selbstständige und selbstverantwortliche Arbeiten und Lernen. Beim selbsttätigen Arbeiten und Lernen ist das Ziel und die Methode vorgegeben, selbständig wird es, wenn dass Ziel vorgegeben ist, die Methode aber frei wählbar. Selbstverantwortliches Lernen und Arbeiten heißt, dass die Kriterien selbständig erarbeitet werden, somit frei wählbar sind. Die Methode und auch der Prozess ist frei.

Wir sammelten Projekte, die wir selber in der Vergangenheit leiteten, betrachteten diese unter diesen drei Gesichtspunkten und stellten fest, ob diese selbsttätig, selbstständig oder selbstverantwortlich waren.

Für das selbstverantwortliche Arbeiten und Lernen bedarf es vier Sicherheiten:

  1. Die emotionale Sicherheit – Grundgerüst

  2. Die soziale Sicherheit – Bin ich Teil der Gruppe? Darf ich Fehler machen?

  3. Die methodische Sicherheit – Wie komme ich ans Ziel? Gute Vorbereitung

  4. Die inhaltliche Sicherheit – Können die Schüler das Thema? Können sich die Schüler das Thema erarbeiten?

Jede/r bekam nun die Möglichkeit ein eigenes Projekt für das kommende Schuljahr zu entwickeln und sich damit intensiv Auseinanderzusetzen. Diese Auseinandersetzung intensivierte sich noch, als wir in die elf Dimensionen der Praxisforschung eingeführt wurden und unser Projekt damit noch einmal beleuchteten.

Auf diesem Sommermodul bekamen die Teilnehmer/innen außerdem noch die Möglichkeit, sich mit dem Portfolio und der damit verbundenen Prüfung zu beschäftigen. Grundsätzliche Fragen konnten gestellt werden und es wurden nützliche Tipps und Anregungen vermittelt. Zur Ansicht lagen Portfolii, sowohl von Lehrertrainees als auch von Ausbildungsbegleitern, aus.

Wir brachten zur Arbeit in einer Intervisionsgruppe einiges in Erfahrung. Uns wurde empfohlen, mit bestimmten Techniken an Themen heranzugehen. Nach einer gestellten Methode, arbeiteten wir in einer zusammengestellten IVG.

Im Gespräch stellte sich heraus, dass viele Teilnehmer über ihre Anmeldung zum Sommermodul länger nachdachten. Auch mir ging es so.

Bis zu den Sommerferien gestaltet sich die Zeit der Lehrkräfte sehr bewegend, da die Aufgaben zum Ende eines Schuljahres viel Kraft erfordern. Die erste Hälfte meines LiPs habe ich mittlerweile durchlaufen und der Schatz an Erfahrungen innerhalb dieser Ausbildung hinterlässt viele Eindrücke. Auch ich war im lebendigen Prozess des Schreibens von Zeugnissen, korrigieren von Epochenheften und Arbeiten das erste Mal aktiv involviert. Noch nicht gelöst von dem Schulalltag und Ferienreif, entschieden meine Ausbildungsbegleiterin Doris Kramann und ich uns trotzdem für die Anmeldung.

Abschließend war es eine gute Entscheidung, denn schon am ersten Tag stellte sich bei mir eine gewisse Ruhe ein, ich fühlte mich wie auf einer Insel, wo andere Dimensionen des Zeitempfindens herrschten. Der Termin innerhalb der Sommerferien erwies sich nicht als Nachteil. Ich konnte mich trotz des langen Programms langsam vom Schulalltag lösen und danach entspannt und gestärkt in Richtung Ferien blicken. Die Übungen im Selbstmanagement und das harmonische Miteinander der gesamten Gruppe begünstigten dies. Fünf Tage sind meiner Meinung nach nicht zu lang, sie vergingen wie im Flug und ich kann jeder Kollegin und jedem Kollegen ans Herz legen, sich für das nächsten Sommermodul anzumelden.

Annika Strunkeit (LT)

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